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Tanja König

„Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt!" (Bettina von Arnim)


Hallo, mein Name ist Tanja König. Ich bin 37 Jahre jung; Mutter einer zweijährigen Tochter und eines fünfjährigen Sohnes und ich bin „Rückkehrerin“.

Heimat bedeutet für mich, an den Ort meiner Kindheit zurück zu kehren, nach Hause zu kommen; vertraute Menschen aber auch vertraute Plätze und Orte wiederzusehen und inne zu halten.

Ich bin in Schmalkalden geboren und in Rotterode aufgewachsen, einem kleinen Dorf, das heute zur Stadt Steinbach-Hallenberg zählt. Hier inmitten des Thüringer Waldes verbrachte ich eine schöne Kindheit und Jugend. Als Kinder waren wir viel in der Natur, bauten Baumhäuser im Arzberg, suchten Schneekopfkugeln oder spielten im Moosbachtal. Es war eine unbeschwerte Zeit mit vielen Freiräumen, die eine frühe Selbstständigkeit zur Folge hatte.

Später zog es mich dann nach dem Abitur zum Studium nach Erfurt. An der Universität studierte ich Geschichts- und Literaturwissenschaften; absolvierte meinen Magisterabschluss und arbeitete schließlich als Dozentin für mittelalterliche Geschichte. Parallel dazu promovierte ich an der Professur für mittelalterliche Geschichte – ein Projekt, das acht ganze Jahre dauern sollte, denn zwei Kinder und etliche Umzüge erschwerten das schnelle Vorankommen.


„Man weiß nicht, was man an der Heimat hat, bis man in die Ferne kommt.“

(deutsches Sprichwort)


Tanja König auf der Rotteroder Höhe © Kati Schulz

 

Steckbriefe Name: Tanja König Wohnort: Steinbach-Hallenberg

Alter: 37 Jahre

Lieblingsspruch: "Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt!" ( (Bettina von Arnim)

 

Blick auf Steinbach Hallenberg von der Ruine Hallenburg © Kati Schulz


Heute bin ich wieder am Ort meiner Kindheit; eine „Rückkehrerin“, die manche regionalen Themen mit dem Blick von außen betrachtet und gewisse Dinge des alltäglichen Lebens mehr schätzt als „Hiergebliebene“. Die Entscheidung, zurück in die Heimat zu gehen, wurde getroffen, als ich die Zusage bekam, eine Stelle als Leiterin des Metallhandwerksmuseums in Steinbach-Hallenberg anzutreten. Obwohl ich keine Museologin bin, qualifizierte mich u.a. mein geschichtswissenschaftliches Studium für die Stelle und ebnete mir den Weg, wieder zurück zu kommen. Nach Stationen, die mich beruflich und privat nach Erfurt – Köln – Zürich und zuletzt Leipzig brachten, fiel die Entscheidung nicht zuletzt wegen der Kinder nicht schwer, wieder zurück in die Heimat zu kommen. Hier wachsen meine Kinder nicht in einem städtischen Ballungsraum auf, sondern können die Vorzüge der weniger hektischen ländlichen Region kennenlernen. Auch ist das bestehende Familiengefüge zu Omas und Opas intensiver. Ich persönlich finde es zum Beispiel sehr schön, dass meine Kinder in denselben Kindergarten gehen, in den ich damals gegangen bin. Diese Basis, die man für die eigenen Kinder legt und das Umfeld, das man für sie schafft, wird dann hoffentlich später auch zu einem Heimatgefühl für sie werden.

Neben dem schönen Wahrzeichen der Stadt Steinbach-Hallenberg, der Ruine Hallenburg, ist die Rotteroder Höhe ein besonderer Ort für mich, an dem ich den Begriff Heimat verankere. Hier hat man eine wunderbare Weitsicht.

Zugleich ist die Rotteroder Höhe Ausgangspunkt für viele Wanderungen in Richtung Jahnhütte, DRK-Hütte und Silberwiesen bis hin zum Rennsteig. Mit Blick auf Rotterode rufe ich mir gerne die Verse des Gedichtes von Bettina von Arnim, der Schwester Clemens Brentanos, ins Gedächtnis: „Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt!“ Sie beschreibt in poetisch gewählten Worten das Heimatgefühl, das entsteht, wenn man an verschiedensten Orten lebte und doch nur einen Ort als Heimat wahrnimmt. Auch ich war an vielen Orten zuhause und konnte dort gut leben, möchte die Zeit und die Begegnungen mit Menschen nicht missen; aber es gibt für mich nur einen Ort, der Heimat sein kann und das ist für mich mein Ursprungsort, der Ort meiner Kindheit. Hier habe ich nun das Privileg einer interessanten und vielschichtigen Arbeit nachzugehen.


Auf der Ruine Hallenburg © Kati Schulz


Als Museumsleiterin bin ich nicht nur für die Inventarisierung und Kategorisierung der Exponate verantwortlich, sondern kann auch im Rahmen von Führungen, Veranstaltungen und museumspädagogischen Programmen geschichtliche Themen, die für unsere Region von Bedeutung sind, vermitteln und präsentieren. Besonders schätze ich die Verflechtung von Museum und Heimathof, als kulturelles Zentrum in Steinbach-Hallenberg. Es eröffnet mir die Möglichkeit, verschiedenste Veranstaltungsformate anzubieten und spannende Ausstellungen zu konzipieren. So gab es im vergangenen Jahr beispielsweise eine Ausstellung zum 130. Jubiläum der Eisenbahnstrecke zwischen Steinbach-Hallenberg und Zella-Mehlis. Im Sommer präsentierten die örtlichen KünstlerInnen ihre Werke zur Ruine Hallenburg, die anlässlich des Burgfestes ausgestellt wurden. Auch in diesem Jahr ist das Veranstaltungsprogramm umfangreich. Neben der 2. Steinbacher Buchmesse „Das Haseltal liest!“, diesmal zum Thema Leseland DDR wird der Fokus auf das 7. internationale Schmiedetreffen gelegt. Vom 17. bis 19. Mai wird es heiß

auf dem Museumsgelände. Über 70 Schmiede präsentieren ihr Können und zeigen ihr Handwerk. Den Gästen wird ein umfangreiches Programm geboten. Seit einem Jahr planen wir dieses Event und ich bin froh, dieses im 2-Jahres-Rhythmus stattfindende Veranstaltungsformat nach der erzwungenen Coronapause wieder aufzugreifen und durchführen zu können.

Letztlich kann man mein Wirken hier auch als „Heimatpflege“ verstehen, denn als Museumsleiterin habe ich das Anliegen, Vergangenes zu bewahren und alte Traditionen, die für diese Region typisch waren, weiterzugeben. Ich fühle mich hier im Ort sehr wohl; das Team von Museum und Touristinformation harmoniert gut und auch wenn ich manchmal die Vorzüge einer Großstadt vermisse, hätten die Rahmenbedingungen für ein Zurückkommen in die Heimat nicht besser sein können.


Ahnenforschung im Metallhandwerksmuseum Steinbach-Hallenberg © Kati Schulz


Einblick ins Metallhandwerksmuseum Steinbach-Hallenberg © Kati Schulz



Erschienen in der Ausgabe 04/2024 (zum Heftarchiv).

 


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