Christopher Hanf

Aktualisiert: 3. Sept. 2021

Christopher Hanf, der als Altenpfleger in Meiningen arbeitet, zählt zu den jungen Menschen, die sich mit ihrer provinziellen Heimat tief verbunden fühlen und die so etwas wie Fernweh nur vom Hörensagen kennen. Trotzdem unterscheidet ihn nichts von seinen hippen Altersgenossen in den angesagten Szenemetropolen – weit weg von Südthüringen. Nach München oder Stuttgart reist er höchstens mal zur Teilnahme an Kurzfilmwettbewerben, einem seiner leidenschaftlichen Hobbys. Für das Heimatjournal hat er einige unserer Heimatfragen beantwortet.

Carolin Lawin

Foto: Christopher Hanf

 

Steckbrief Name: Christopher Hanf Wohnort: Meiningen Alter: 32 Jahre Hobbys: Musik machen, Angeln, Fotografieren und Filmen Motto: „Wer immer nur in die Fußstapfen anderer tritt, hinterlässt selbst keine.“

 

Was bedeutet Heimat für dich?


Heimat bedeutet für mich Geborgenheit. Ich bin in Einhausen aufgewachsen und wohne seit einigen Jahren in Meiningen. Heimat ist für mich nicht speziell an ein Dorf oder eine Stadt gebunden, sondern eher an die Region und deren Menschen. Man kennt sich hier einfach, und ich fühle mich überall in der Gegend wohl und zu Hause.

Alleine das Gefühl, nach dem Urlaub der Heimat wieder nah zu sein, wenn man die letzten Kilometer auf der Autobahn fährt, löst etwas in mir aus, dass es so nicht noch einmal gibt.

Was liebst du an deiner Heimat?


Ganz besonders die Menschen. Jeder einzelne trägt seinen Teil dazu bei, sie genau zu dem zu machen, was sie ist. Klar, es läuft nicht immer alles gut, aber die Perfektion liegt in der „Imperfektion“. Genau das macht hier alles für mich so lebenswert. Ich habe immer das Gefühl, willkommen zu sein. Wer etwas gibt, bekommt es doppelt zurück.

Auch die Natur liebe ich. Die kleinen Ecken am Wasser, an denen wir als Kinder gespielt haben.

Die Badestellen an der Werra, an denen wir als Jugendliche am Lagerfeuer saßen, ein paar Bierchen getrunken haben und die ganze Nacht redeten. Das weckt auch heute noch schöne Erinnerungen, wenn man sieht, wie jüngere Generationen ähnliche Erfahrungen dort machen und glücklich sind.


Inwiefern haben dich deine Wurzeln zu dem Menschen gemacht, der du heute bist?


Meine Wurzeln haben mich sogar genau zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.

Allein schon durch die Menschen aus meinem Umfeld, die ebenfalls Heimat für mich sind und mit denen ich gemeinsame Erfahrungen gemacht habe, die Teil meiner Persönlichkeit geworden sind. Heimat formt den Charakter, könnte man sagen.


Was ist dein Lieblingsplatz in deiner Heimat?


Da gibt es nicht nur einen, sondern viele: Das 3-Meter-Loch in Einhausen zum Beispiel. Dort habe ich in meiner Jugend ganze Sommer mit Freunden verbracht. Wenn nicht da, dann im Jugendclub. Das waren die besten Zeiten.

Oder wie oben beschrieben, die kleinen Ecken am Wasser, beim Spielen und Hütten bauen.

Dann natürlich mein Garten. Es gibt kaum etwas, das mich mehr entspannt, als nach der Gartenarbeit dort in der Sonne zu sitzen und „alle Fünfe gerade sein zu lassen“ – hoffentlich nun bald wieder mit ausgiebigen Grillfesten.

Aber auch der Proberaum unserer Band „Pollo Diablo“ ist einer meiner Lieblingsplätze. Er ist der Rückzugsort schlechthin, um kreativ zu sein, gemeinsam zu musizieren oder einfach, um mal alleine zu sein. – In einer vierköpfigen Familie ist es nicht immer leicht, eine ruhige Minute zu finden.


Was muss man in deiner Heimat unbedingt gegessen haben?


Auf jeden Fall das Tiegelbrot vom Café Neumann in Meiningen! Das ist ein Teigfladen mit Sour Cream, darauf so etwas wie Teriyaki Chicken und Rucola. Dazu gibt es eine Kugel hausgemachtes Gurkeneis – ein Traum. Ich habe versucht, das Tiegelbrot nachzumachen, aber man kommt einfach nicht an das Original heran.

Platz 2. meiner Empfehlungen: Die Bratwürste aus der Gaststätte im Wiesengrund in Untermaßfeld. Das sind einfach die besten. Natürlich mit Senf und nichts anderem.

Mein 3. Punkt wären die Schäufele mit Thüringer Klößen des Braustübl/Sudpfanne. Sensationell. Doch leider kann man inzwischen nicht mehr in den Genuss kommen, da die Gaststätte geschlossen ist, was ich persönlich sehr schade finde.

Punkt 4 geht an alle Kloßgerichte in Meiningen und Umgebung. Ich hatte noch keines, das nicht geschmeckt hat. Das machen hier wirklich alle Gastronomen toll.

Kann sich ein kreativer Kopf wie wie du in der südthüringischen Provinz überhaupt so richtig ausleben?


Wieso nicht? Unsere Heimat ist wahnsinnig inspirierend. Und die Möglichkeiten, sich in jeder Form auszuleben, sind hier definitiv gegeben.

Bei mir hat alles beim Karneval angefangen. Da ist mir bewusst geworden, dass ich unglaublich gerne auf humorvolle Weise Menschen unterhalte. Als Präsident des Einhäuser Carneval Club darf ich diese Leidenschaft nun schon seit einigen Jahren ausleben.

Und auch meine künstlerischen Leidenschaften werden durch unsere Heimat ganz und gar nicht eingeschränkt. Wenn es einem Spaß bereitet zu filmen, bietet der ganz normale Alltag – ganz egal, ob man ihn in einer Großstadt oder inmitten der Natur verlebt – ausreichend Möglichkeiten. Für mich ist es, so wie es ist, Inspiration pur. Das erste Mal Fahrradfahren der Kinder, ein Tag Schlittenfahren im Englischen Garten – alles Stoff für wirklich spannendes Filmmaterial, aus dem ich kurze Filme schneide, die ich dann auf Social-Media-Kanälen teile.

Mittlerweile habe ich meinen ersten Kurzfilm „Königsblau“ gedreht.

Ich kann mir gar nicht vorstellen, anderswo ein ganz anderes Leben zu führen. Genau hier ist für mich der richtige Ort, an dem ich genau das Leben führe, das mich erfüllt.


Erschienen in der Ausgabe 09/2021 (zum Heftarchiv).

 

Fotos und Titelfoto: Christopher Hanf


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